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Oberhuber, 1931 in Meran geboren, greift 1945 Kunstrichtungen auf, die unter der Naziherrschaft eliminiert worden waren. Sein Werk markiert damit den Übergang von der Wiener Moderne zur österreichischen Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg. Er verweist auf Traditionen um sie gleichzeitig radikal in Frage zu stellen, wie z.B. in seinen Versuchen einer ‚Kunst ohne Künstler‘ (1966). Sein Werk zeigt einen in alle Richtungen erweiterten bildenden Künstler, der zugleich Autor, Ausstellungsorganisator, Museumsleiter, Professor und Rektor (1973-1995) an der ‚Angewandten‘ in Wien war. Seit den 70ern erinnerte er mit Ausstellungen an vergessene Künstler der Secession und der ‚Wiener Werkstätte‘. Es ist seiner Weitsicht zu verdanken, dass das rein abstrakte ‚Supraportenrelief‘ Josef Hoffmanns aus der Beethoven-Ausstellung von 1902 rekonstruiert wurde.
Dass Werke Oberhubers im Zusammenhang mit Klimt und Hoffmann gezeigt werden, liegt vor allem in der Handhabung der Linie begründet: Die fließenden sich wiederholenden Linien des Jugendstils in Klimts Werken, die konstruktive Linie der Entwurfszeichnungen von Hoffmann und die ‚surreale Linie‘ Oberhubers.
Die in in der Rathausgalerie Balingen ausgestellten Zeichnungen Oberhubers korrespondieren mit den Entwürfen Hoffmanns in der Zehntscheuer. Josef Hoffmann entwickelte das Einfache, Sachliche und Funktionale für die Architektur wie für Stühle, Tische oder Lampen. Oberhuber greift die gleichen Gegenstände auf. Seine Räume und Möbel sind dagegen verrätselte, unergründliche, organische und surreale Erscheinungen.
Auch die Idee des Gesamtkunstwerks, die das Schaffen Klimts am Anfang des 20. Jahrhunderts prägte, wird in der Ausstellungsreihe ‚Klimt, Hoffmann, Oberhuber‘ thematisiert. Klimt geht es um eine kosmologische Ganzheit. Das unaufhörliche Entwerfen Hoffmanns sucht den Zusammenklang zwischen Innen- und Außenraum und der Individualität des Benutzers. Für Oberhuber ist das Gesamtkunstwerk nicht mehr das Herzustellende, sondern das bereits Vorhandene im grenzenlosen Durcheinander aller Lebensbereiche. Oberhuber steuert, trennt, verbindet. Deshalb die rätselhafte Genauigkeit, das Unperfekte, das Lapidare und Zeichenhafte seiner Arbeiten. Er braucht die von ihm bereits 1956 formulierte ‚permanente Veränderung in der Kunst‘ um sich einschleichen zu können in das Wesen von Körpern und Räumen.
Rudolf Greiner, Tübingen · Kurator der Ausstellung
